Lediglich knapp 30 Freunde des Gaffelriggs hatten sich angekündigt. Erschienen sind dann aber fast doppelt so viele Betreiber, Förderer und Gäste beim Wintertreffen, das in diesem Jahr im Vereinshaus des Segel-Vereins Altona-Oevelgönne stattfand.
Einen Bericht mit optimistisch stimmenden Informationen lieferte die junge Leitung der Arbeitsgemeinschaft deutscher Museumshäfen (AGDM e.V.), die traditionell am selben Tag ihr Treffen organisieren. Juliane Schongalla gab Einblick in die Planungen und getroffenen Vereinbarungen, so zu einer Überarbeitung der Website mit neuem Logo, dem Austausch zu Fragen von Versicherungen für die Häfen und einem zweiten Treffen im Herbst.
Jan-Matthias Westermann, Vorstand der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW e.V.) sprach anschließend über die zu gründende Deutsche Stiftung Maritimes Erbe und bat dabei um Geduld, aber auch um Unterstützung.
Peter Voß (Skipper auf RIGMOR ) lieferte Bilder und Bericht einer gelungenen Reise nach Maine, USA, wo er an Bord der LEWIS R. FRENCH u.a. die auch in Deutschland bekannte Schonerregatta der Maine Windjammer Association miterlebte.
Ein weiterer Höhepunkt am Abend war die durch Willem Ruempler (Skipper der JOHANNA von AMRUM) präsentierte Familien-Saga mit reichlich Anekdoten und Fotos zum Leben auf Amrum und Fahrten mit seinem Schiff. Natürlich gab es an dem Abend Gelegenheit zum Klönsnack und die Gelegenheit, die eigene Sammlung an PIEKFALL-Heften zu vervollständigen.
….und viele, viele Besucher folgten diesem Motto! Die alte Höchstmarke von 25 000 aus dem Jahr 2020 dürfte weit übersprungen sein! Besonders positiv: Der Altersdurchschnitt lag bestimmt weit unter 40!! Das zeigt, ein attraktives Angebot, das die Eventsehnsucht der jüngeren Generation akzeptiert und darauf eingeht hat Erfolg. Trotz der längeren Anfahrt mit Barkassen oder Bus zählte man in den 7 Stunden am Samstagabend 1 400 Besucher, die zudem das Angebot von Gegrilltem intensiv aufgriffen und damit die Museumskasse auffüllten.
Dr. Bernhard Staubermann, Gründungsdirektor des Deutschen Hafenmuseums nutzte erfolgreich die Gelegenheit zum intensiven Gespräch mit den Besuchern und verkündete (inoffiziell) mit einem breiten Lächeln dass das leidige Problem mit den Gefahrgut bearbeitenden Betrieben in der Nachbarschaft der historischen 50er Schuppen gelöst sei!
Egal welche Institution –Museum, Sammlung – interessierte, es war voll, aber nicht so voll, dass sich Mitarbeiter offensichtlich überfordert fühlten oder gar die Geduld verloren trotz so mancher recht „erstaunlichen“ Frage.
Die 50 teilnehmenden Museen konnten sich offenbar alle nicht über mangelndes Interesse beklagen, wie später eine kurze Umfrage unter den auf die Barkassenfahrt wartenden Gästen ergab.
Bis zuletzt hatten die vielen Organisatoren am Programm gefeilt: 600 Veranstaltungen in über 50 Museen waren es zum Schluss. Auch die letzten Updates konnten noch in den digitalen Guide integriert werden, der deswegen nicht mehr als gedrucktes Programmbuch vorlag. Vielleicht ein weiterer Grund, dass die internetaffine, junge „Kundschaft“ so massenhaft auf das Angebot angesprochen hatte – konnte man doch direkt (animiert) sehen welche Erlebnisse wo warteten:
Wer, mit der bereits erwähnten großen Barkasse vom Sandtorhöft stilgerecht zur Schausammlung des Hafenmuseums fuhr hatte ja nicht nur Gelegenheit sich aus erster Hand über die Zukunft der sog. 50er Schuppen zu informieren, dem vermittelten die „Hafensenioren“
direkte Eindrücke vom Hafen und der harten Arbeit vor gerade 20 Jahren. Dazu trugen auch der Einsatz des schwerfälligen Helmtauchers in seinem unbequemen Gummianzug und den kiloschweren Bleischuhen sowie der dampfbetriebene Sauger bei, der mit einem gewaltigen Strahl enorme Wassermengen in das Hafenbecken beförderte. Dazu gab´s natürlich Musik und Nahrhaftes in fester und flüssiger Form samt viel Kultur u.a. mit Michel Batz (Autor und Lichtkünstler – Blue Port).
Nicht weit davon, und mit dem Shuttlebus gut erreichbar, die Ballinstadt: Informationen über alle Aspekte der Auswanderung – Hoffnungen und Enttäuschungen – erlebte der Besucher bei seinem Rundgang über das geheimnisvoll erleuchtete Gelände: Für alle, nicht nur die jüngsten Besucher – dazu die Sonderausstellung: 50 Jahre Sesamstrasse!
Die CAP SAN DIEGO öffnete unter dem Motto “Von der Brücke bis zum Wellentunnel“ sämtliche Türen, Luken und Schotten, schickte die Älteren in die Zeit der vordigitalen Kommunikation mit Morsezeichen und suchte Hilfe bei den jüngsten Besuchern um endlich den an Bord verborgenen Schatz zu finden.
Fast nebenan, auf der Bark RICKMER RICKMERS zeigte Oliver Binikowski den vielen Neugierigen wie das „Schiff in die Flasche“ kommt. Gleichzeitig erfuhren die neugierigen Besucher in der neugestalteten Ausstellung endlich auch mehr von der Geschichte des Schiffes unter zwei Flaggen.
Im nahegelegenen Internationalen Maritimen Museum konnte man im dicht umlagerten Schiffsführungssimulator lernen wie am einen Containerriesen so steuert, dass weder die Uferböschung als Bremse benutzt wird noch die Kaimauer. Die Abenteuer der Polarforscher Amundsen und Shackleton gehörten ebenso zum Programm. Eindrucksvoll unterstützte die Replik des Bootes mit dem Shackleton 1917 alle seine Männer im orkangepeitschten Südatlantik gerettet und mit dem Arved Fuchs vor wenigen Jahren diese geschichtsträchtige Fahrt erfolgreich wiederholt hatte, die Erklärungen der engagierten Mitarbeiter. Fast in Sichtweite dieses Bootes, der JAMES CAIRD II, zeigten die (ehrenamtlichen) Modellbauer ihr Können und „offenbarten“ in vielen Gesprächen ihr Wissen, das weit über den eigentliche Modellbau und seine Fragen hinausgeht, aber ohne das gute, historisch korrekte Modelle nicht entstehen können. Bei einem Bier mit Musik auf Deck 2 kam auch die Entspannung nicht zu kurz.
Klar, auch die Speicherstadt mit dem Speicherstadtmuseum sowie Kaffee- und Gewürzmuseum gehören ebenso zur maritimen Erlebniswelt wie das Altonaer Museum mit seiner tollen Ausstellung zur Navigation.
Spezielle Buslinien, der Barkassenservice sowie der HVV verbanden alle Erlebnisorte.
Leider ist war das alles nicht kostenlos: 17€ Normalpreis wie beim letzten Mal vor drei Jahren;
Tickets gab´s im Internet und allen Museen
Ein Wermutstropfen: Wer beim letzten Mal am Sonntag noch so manchen flüchtigen Eindruck bei einem zweiten Museumsbesuch vertiefen wollte – zeigte nun sein Ticket vergeblich vor – am Sonntag galten überall wieder die normalen Preise. Ermäßigungen für bedürftige Senioren, oft gefordert, blieben wieder im Bereich nebulöser Ausflüchte.
Wer wissen möchte, was er am vorletzten Aprilwochenende 2023 versäumt hat, findet Informationen noch unter:
Von der Stiftung Hamburg Maritim erreichte uns der der folgende Projekt-Notruf:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
unsere Stiftung ist seit fast zwei Jahrzehnten Eigentümerin des historischen Dampfschiffs TAUCHER FLINT III. Leider war es uns in all den Jahren nicht gelungen, dampfbegeisterte Ehrenamtliche für dieses Projekt zu gewinnen. Aber aus der Überzeugung heraus, dass dieses einmalige historische Fahrzeug erhalten bleiben muss, haben wir “den Flint” all die Jahre klaglos mit durchgeschleppt. Weil unsere Flotte inzwischen stark angewachsen ist und wir zunehmend Platzprobleme bekommen, müssen wir uns leider von diesem originellen Dampfschiff trennen. Für die technischen Daten und die Geschichte verweisen wir auf die angehängte Projektbeschreibung.
Zum Schiff gehören mehrere große Kisten voll ausgelagerter / demontierter Teile, die für eine etwaige Musealisierung interessant sein dürften. An Land trocken eingelagert ist auch die historische Dampf-Ladewinde, die vor geraumer Zeit sogar schon betriebsfähig gemacht worden war.
Neben dem technischen Kulturgut gibt es auch umfangreiche Archivalien und historische Fotos, die ebenfalls mit abgegeben werden sollen.
Unsere Stiftung ist bereit, den Bergungsdampfer nebst Inventar als Schenkung abzugeben, vorzugsweise natürlich als Gesamtheit. Das Schiff würde sich auch gut als Exponat auf dem Trocknen eignen. Weil seine Innenräume zu klein und zu niedrig sind für Publikumsbetrieb, müssten notfalls Gucklöcher in die Außenhaut geschnitten werden.
Erst wenn sich keine Erhaltungslösung abzeichnen sollte, könnte auch über die Verwertung von Einzelteilen nachgedacht werden. Die Antriebsmaschine beispielsweise, eine Zweizylinder-Compound-Dampfmaschine der namhaften Harburger Fabrik Meyer & Christiansen, würde vermutlich Begehrlichkeiten wecken.
Falls Sie jetzt an etwas ganz Naheliegendes denken: Leider hat das in Gründung befindliche Deutsche Hafenmuseum kein Interesse an der Übernahme des TAUCHER FLINT III gezeigt…
Das jetzige Bergungsfahrzeug TAUCHER FLINT III ist ein Hybrid aus ehemaligem Frachtsegler und Dampfschiff und damit ein Solitär. Als niederländische Tjalk ein plattbodiger, einmastiger Segler unter vielen hundert ganz ähnlichen Exemplaren, ging die damalige WELVAART nach Strandung in der Elbmündung 1910 ins Eigentum der alteingesessenen Hamburger Bergungsfirme M. A. Flint über. Flint hatte Bedarf für ein flachgehendes Bergungsfahrzeug, das gefahrlos im Watt trockenfallen konnte, und baute den ehemaligen Segler für seine Bedürfnisse um. Antriebsmaschine und Dampfkessel des neuen Bergungsdampfers wurden geliefert von der renommierten Maschinenfabrik von Christiansen & Meyer in Harburg. Man darf vermuten, dass die diversen Dampfaggregate, Pumpen und Spills, die nach und nach eingebaut wurden, bereits ein Vorleben auf anderen, von Flint geborgenen Schiffen gehabt hatten. Die Umbauarbeiten wurden auf Flints eigener Werft am Reiherstieg durchgeführt, 1912 ging der Dampfer unter dem Namen TAUCHER FLINT III wieder zu Wasser und in Fahrt. Über die Jahrzehnte hat das markante Fahrzeug an zahllosen Bergungen mitgewirkt, überwiegend im Hamburger Hafen oder auf der Niederelbe, aber auch für Einsätze an der Ostfront im Ersten Weltkrieg. Für eigentliche Bergungszwecke war es mit einer dampfbetriebene Ladewinde ausgestattet, über die mächtige Bugrolle vorn konnten auch Anker geborgen oder Pfähle gezogen werden. Der Dampfer verfügte auch über dampfbetriebene Luftpumpen, mit deren Hilfe man das Wasser aus abgedichteten Sektionen eines Wracks ausblasen konnte. Oft diente das Schiff einfach nur als Basisfahrzeug für Helmtaucher.
Zu Ruhm und Ehre kam Dampfer dank seiner Einsätze nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Hamburger Hafen lag voller Wracks, die Räumungsarbeiten zogen sich über Jahre hin. Auf diversen Fotos des kriegszerstörten Hamburger Hafens ist am Rande auch TAUCHER FLINT III zu erkennen mit seinem schwarz-weiß-roten Schornstein.
Zu Ruhm und Ehre kam Dampfer dank seiner Einsätze nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Hamburger Hafen lag voller Wracks, die Räumungsarbeiten zogen sich über Jahre hin. Auf diversen Fotos des kriegszerstörten Hamburger Hafens ist am Rande auch TAUCHER FLINT III zu erkennen mit seinem schwarz-weiß-roten Schornstein.
In den 1990er Jahren erwarb ein Dampftechnik-Liebhaber das inzwischen stillgelegte Fahrzeug und verlegte es nach Wilster, die Pläne zur Indienststellung kamen aber nicht zur Ausführung. 2001 erwarb die frisch gegründete Stiftung Hamburg Maritim (SHM) das bereits sehr verwahrloste Schiff und brachte es zurück nach Hamburg. Auf der Werft von „Jugend in Arbeit Hamburg e.V.“ (JiA) wurden nach und nach diverse Platten gewechselt und Reparaturen ausgeführt, da es aber kein Nutzungskonzept für das Schiff gab, diente das Objekt mehr oder weniger als „Lückenfüller“. Mit dem Konkurs von JiA kamen auch diese Aktivitäten zum Erliegen, FLINT wurde in den Hansahafen verholt und der größte Teil der losen Ausrüstung in den 50er Schuppen eingelagert. Für die Verlängerung des Schwimmfähigkeitszeugnisses hat die SHM den Dampfer 2012 aufslippen lassen und eine erhebliche Summe für Nachweißungen und Dopplungen aufwenden müssen. Mangels interessierter Ehrenamtlicher verwahrloste das Schiff jedoch immer weiter. SHM verfolgte mit dem Erhalt des TAUCHER FLINT III keine eigenen Interessen und hat sich für den Fortbestand des Schiffes nur mit Hinblick auf den Aufbau des Deutschen Hafenmuseum engagiert. Einen besseren Sachzeugen über die Aufräumarbeiten im kriegszerstörten Hamburger Hafen dürfte es kaum geben. Das Objekt würde sich auch gut für eine Trockenstellung auf dem Freigelände oder für eine indoor-Aufstellung im Foyer eines großen Neubaus eignen. Neben der Bergungs- und Tauchtechnik repräsentiert das Objekt zugleich Stahlschiffbau, Nietbauweise und Dampftechnik.
Schiffsdaten:
Name:
FLINT III ex WELVAART
Heimathafen:
Hamburg
Gattung:
Zum Bergungsdampfer umgebaute Tjalk niederländischen Ursprungs
Erbaut:
1888 auf unbekannter Werft in NL. Umbau 1910-12 auf der Werft von M. A. Flint, Hamburg
Abmessungen:
24,08 x 4,90 x 2,06 m, 69 BRT
Maschinenleistung:
180 PSi
Schiffstyp:
Vielzweck-Taucher- und Bergungsfahrzeug mit Dampfantrieb, aus Stahl genietet.
Klassifizierung:
Schwimmfähigkeitszeugnis gem. SUK, gültig bis 1.8.2024
Status:
Bis 1974 bei Taucher Flint im Einsatz, später an private Liebhaber verkauft. Boden tlw. saniert und gedoppelt. Pflegerückstand, Restaurierung begonnen und tlw. durchgeführt bei „Jugend in Arbeit Hamburg e.V.“ in Harburg.
Gebeutelt durch die z.Zt. offenbar noch recht willkürlich angewandten neuen Sicherheitsrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums, dem versprochenen aber kaum nutzbaren Umbaufond und dann noch der Flickenteppich der Corona – Verordnungen der norddeutschen Küstenländer – das kann eigentlich keiner der so liebevoll gepflegten und für die maritime Geschichte so wichtigen Traditionssegler überleben. Hatten doch einige Bundesländer sogar Einzelpersonen verboten an Bord zu arbeiten!
Da kann man den Entschluss der Deutschen Sailtraining Association (S.T.A.G.) gar nicht hoch genug schätzen, wenigstens die Verbände, Vereine und Eigner zu unterstützen die seit Jahren unter Flagge der S.T.A.G. beispielhafte Jugendarbeit leisten. Bereits Anfang Juni informierten die Gremien der S.T.A.G. ihre Mitglieder über den Entschluss 2021 ein weiteres Corona – Hilfsprogramm aufzulegen – in der sicheren Erkenntnis, dass ohne Schiffe in Zukunft auch keine Jugendarbeit in Form von Sail – Training auf Segelschiffen möglich sei. Insgesamt stehen 50 000€ zur Verfügung, max. 7 500€ pro Schiff.
Voraussetzung ist, dass die Eigner überzeugend darlegen, dass ihr Schiff nach Ende der Einschränkungen bzw. Ende der Pandemie wieder erfolgreich betrieben werden kann. 50% des Förderungsbetrages sind ein nicht zurückzuzahlender Zuschuss, die restlichen 50% sollen überwiegend in Form von Freiplätzen mit einem ausgefeilten Sail – Training – Programm für Mitglieder („Törn – Gutscheine“) erfolgen.
im Anhang findet Ihr den Flyer für den neuen
Sicherheitslehrgang, der von der BG Verkehr statt STCW anerkannt wird.
Notwendig ist dieser Lehrgang für die neue Rolle des “Ausbilders” auf
Segelschulungsschiffen UND für Pressluftatmer-Träger auf allen
Traditionsschiffen, sofern diese eine Brandschutzausrüstung mitführen
müssen (auch dann, wenn die Geräte freiwillig mitgeführt werden).
Der Lehrgang wurde vom Ma-Co Hamburg und der GSTU in Zusammenarbeit mit
der BG Verkehr, Dienststelle Schiffssicherheit erarbeitet.
Verlage, die beizeiten auf Reiseziele in Deutschland gesetzt hatten, gehören zweifellos zu den glücklicheren der Branche. Drei sollen hier vorgestellt werden, drei die vor allem maritim interessierte Leser ansprechen dürften.
Der Köhler Verlag in Hamburg, seit vielen Jahrzehnten bekannt für sein enormes maritimes Programm, mischt nun in diesem Segment kräftig mit. Das Schwergewicht des Programms liegt zweifellos hier im Norden. Besonderen Regionen in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig – Holstein und Mecklenburg – Vorpommern sind die recht preiswerten Bände gewidmet ($,95€ und 9,95€). Stellvertretend für die ganze Reihe soll hier über den Titel „Cuxland“ berichtet werden: Ulf Kaak ein renommierter Autor, der recht vertraut ist mit maritimen Themen und Natalie Schnautz als ortskundige Fotografin sind die Autoren. Beschrieben wird das „nasse“ Dreieck zwischen Weser und Elbe. Allerdings, und hier muss auch der wohlwollendste Rezensent mit Kritik beginnen, scheinen weder Verlag noch Autorenpaar viel Zeit investiert zuhaben, um einen in sich stimmigen Reiseführer herauszugeben. Warum z.B. Nordholz mit seinem Aeronauticum vorgestellt werde, aber das wenige Kilometer südliche Brake mit seinem wichtigen Schifffahrtsmuseum nicht, oder die „Alexander von Humboldt 2“ als Traditionsschiff, eine 2011 gebaute moderne Bark oder Im Zusammenhang mit Hemmoor von der Gewinnung anstatt von Herstellung von Zement gesprochen wird bleibt das Geheimnis der Autoren. Kurz, es wirkt alles recht willkürlich und zufällig, als ob man in die Kiste mit bereits vorhandenen Versatzstücken der diversen Fremdenverkehrsämter gegriffen, kurz geschüttelt und dann gedruckt hat.
Im Gegensatz dazu hat sich das renommierte Autorenpaar Stephan Lipsky und Barabara Post intensiv mit dem Thema Nord – Ostsee – Kanal auseinandergesetzt und ein Buch abgeliefert, das die vielen sehenswerten Orte und Stätten beiderseits des Kanals zutreffend beschreibt und so ganz nebenbei durch die Geschichte des Kanals und seiner Vorgänger führt. Gerade in diesem Jahr in dem alle das Jubiläum „125 Jahre Kanal“ feiern wollten ist das Buch ein zuverlässiger Führer. Selbst für den, der glaubt mit dem Kanal und den Zeugnissen seiner Geschichte vertraut zu sein, ist dieses Buch interessant. Wer kennt schon die das steinzeitliche Ganggrab von Bunsoh und den archäologisch wichtigen Schalenstein, den Erdmagnetfels – Simulator der Marine am Borgstedter See? Dazu gibt´s noch ausgewählte Hinweise auf Restaurants die einen Besuch lohnen, aber natürlich strenggenommen oft nur kurze Zeit aussagekräftig sind, vor allen in den Zeiten des alles beeinflussenden Corvid 19 – Virus, das zudem alle Veranstaltungen zur Kanalgeschichte so erfolgreich verhindert hat.
„Sturmbesonntes Land“ nennt der Mitteldeutsche Verlag doppelsinnig den Führer, der die wunderschönen Halbinsel zwischen Ribnitz – Damgarten und dem Strelasund, dem Fischland, Darß, Zingst und der Boddenküste gewidmet ist. Sehr feuilletonistisch schildert der Autor Michael Pantaenius recht amüsant „seine“ Landschaft – die allerdings ohne Landkarte für den nicht landeskundigen Leser oft ein weißer Fleck auf der Deutschlandkarte bleibt. So ist dieses Buch mehr eine sehr anregende Lektüre für zu Hause als ein echter Reiseführer, den es keinesfalls ersetzt. Allerdings ist auch dieses Buch nicht frei von gewissen Widersprüchen, so schreibt Pantaenius von einem in Bernstein konservierten Skorpion, zeigt aber das gelbliche Foto eines Gekkos oder ähnlichem Tieres, warum er ausgerechnet als Vorbild einer Walfängerkneipe den malerischen, aber als Walfängerhafen recht unbekannten Greenport nennt bleibt das Geheimnis des Autors, eben so warum er zwar Schiffe zeigt, aber kaum auf deren Details eingeht. Vielleicht wären diese Ausführungen zu faktenreich und würden nach Pantaenius´ Meinung damit den Lesefluss stören.
Spricht man von deutscher Marinemalerei des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts so ist Johannes Holst fast ein Synonym dafür. Keiner malte das Meer und Schiffe, vor allem die großen Frachtsegler der Reederei Laeisz, so authentisch wie er. Ohne in kitschigen Fotorealismus abzugleiten gelang es ihm, auch wenn dies recht abgegriffen klingt, Wellen und Schiffe so darzustellen, dass sich der Betrachter immer wieder in neue, stimmige Details vertiefen kann – die Szene authentisch nacherlebt. Walter König, der Autor, beschreibt dies recht einprägsam, dass Holst einfach „das Meer verstanden“ habe. An die 3400 soll der 1880 geborene „Maler des Meeres“ hinterlassen haben, 1400 sind davon heute bekannt, die meisten in Privatbesitz.
Der intensiven Zusammenarbeit von Köhler -Verlag und dem „Internationalen maritimen Museum“ in Hamburgs ältestem Speicher am Rande der Speicherstadt ist es nun zu verdanken, dass 70 dort in einer faszinierenden Sonderausstellung nun noch bis zum 19. Juli gezeigt werden können. Die meisten stellten private Sammler zur Verfügung, andere kamen von namhaften norddeutschen Museen sowie aus dem Museum der Kap Hoorniers in St. Malô.
Wer wegen der „Coronaren Krise“ keine Gelegenheit hat, diese mehr als sehenswerte Ausstellung zu besuchen, dem bietet der kürzlich erschienene Band Gelegenheit sich mit dem Werk des Künstlers intensiv zu beschäftigen. Abgebildet werden auf 445 Seiten nahezu alle bekannten Werke, auch die nach dem heutigen Geschmack nicht unbedingt sehenswerten Portraits und Akte. Ein alphabetisches Werkverzeichnis (Schiffsnamen) am Ende hilft die Bilder des Künstlers rasch zu finden. Wesentlich erleichtert ein biographischer Teil, der vertiefenden Aufsätzen vorangestellt, den Zugang zum Künstler und seinen Arbeiten. Dabei wird deutlich wie sehr er in seiner maritimen Heimat – Finkenwerder und Altenwerder -verwurzelt ist und der bis zum seinem Tod 1965 treu bleibt, wie er von dort immer wieder Impulse erhält und neue Kraft schöpft. Holst war eigentlich wie viele seiner Künstlerkollegen der damaligen Zeit ein Universalgenie: Ein äußerst geschickter Modellbauer, erfolgreicher Segler und Bootsbauer, zudem ein ausgezeichneter Geigenbauer und natürlich Maler. Erstaunlicherweise scheinen aber keinerlei Plastiken o.ä. von ihm bekannt zu sein.
Allerdings ist der Autor nicht so ganz fit wenn es um maritime Begriffe geht, so dürfte ein Dreikant – Toppsegel nur ihm bekannt sein, auch Stilblüten wie das „weltweit größte Kriegsschiff der Welt“ lassen schmunzeln auch der Lotsenschoner wurde falsch bezeichnet; Richtig ist Lotsenschoner Nr.2 Duhnen (gestrandet 1964, Cook Islands).
Ergänzt wird der hervorragend gedruckte Bildteil durch Beiträge von Alexandra Schwarzkopf, die das Schaffen von Holst in einen kunsthistorisch – europäischen Kontext einordnet, sowie weiteren, kürzeren ergänzenden Beiträge u.a. von Klaus – Peter Mybs, dem Ur – Enkel, der ständig auf der Suche ist wenigstens einige der ca. 1500 verschwundenen Bilder wieder zu finden.
Auch wenn der großformatige Band nicht gerade als „Schnäppchen“ zu bezeichnen ist, angesichts all der Lizenzgebühren für die Abdruckrechte, die bestimmt recht exclusive Auflage, scheint der Preis durchaus gerechtfertigt zu sein.
Walter König
Johannes Holst, Maler der See
Köhler Verlag, Hamburg 2019
Querformat 29,5 x 26cm, mehr als 1400Abb., Hardcover mit Schutzumschlag;
Köhler _ Mittler Verlag, Hamburg
ISBN 978 – 3 – 7822 -1297 – 7
Preis: 148,00€
Text: Herbert Böhm –
Fotos unten: Thees Fock (2015 / Holst Ausstellung in der St. Gertrudkirche zu Altenwerder )
Der KFK FREDDY ist eigentlich kein echter KFK, weil erst nach dem Krieg gebaut. Er gehört zu einer Serie von 10 Kuttern die 1945 bis 1948 bei Burmester in Bremen Burg gebaut.
Die FREDDY diente von 1953 -1993 der BP (British Petrol) in Hamburg als Schiff für “Gästefahrten” aber hatte auch immer den Zweck im Falle einer Invasion von Osten, den Vorstand der BP heil nach England zu bringen.
Die Geschichte dieser Fluchtkutter ist in dem Spiegel Artikel schön erzählt.