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Maritime Reiseziele – Coronafrei

 

Verlage, die beizeiten auf Reiseziele in Deutschland gesetzt hatten, gehören zweifellos zu den glücklicheren der Branche. Drei sollen hier vorgestellt werden, drei die vor allem maritim interessierte Leser ansprechen dürften.

 

Der Köhler Verlag in Hamburg, seit vielen Jahrzehnten bekannt für sein enormes maritimes Programm, mischt nun in diesem Segment kräftig mit. Das Schwergewicht des Programms liegt zweifellos hier im Norden. Besonderen Regionen in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig – Holstein und Mecklenburg – Vorpommern sind die recht preiswerten Bände gewidmet ($,95€ und 9,95€). Stellvertretend für die ganze Reihe soll hier über den Titel „Cuxland“ berichtet werden: Ulf Kaak ein renommierter Autor, der recht vertraut ist mit maritimen Themen und Natalie Schnautz als ortskundige Fotografin sind die Autoren. Beschrieben wird das „nasse“ Dreieck zwischen Weser und Elbe. Allerdings, und hier muss auch der wohlwollendste Rezensent mit Kritik beginnen, scheinen weder Verlag noch Autorenpaar viel Zeit investiert zuhaben, um einen in sich stimmigen Reiseführer herauszugeben. Warum z.B. Nordholz mit seinem Aeronauticum vorgestellt werde, aber das wenige Kilometer südliche Brake mit seinem wichtigen Schifffahrtsmuseum nicht, oder die „Alexander von Humboldt 2“ als Traditionsschiff, eine 2011 gebaute moderne Bark oder Im Zusammenhang mit Hemmoor von der Gewinnung anstatt von Herstellung von Zement gesprochen wird bleibt das Geheimnis der Autoren. Kurz, es wirkt alles recht willkürlich und zufällig, als ob man in die Kiste mit bereits vorhandenen Versatzstücken der diversen Fremdenverkehrsämter gegriffen, kurz geschüttelt und dann gedruckt hat.

 

Im Gegensatz dazu hat sich das renommierte Autorenpaar Stephan Lipsky und Barabara Post intensiv mit dem Thema Nord – Ostsee – Kanal auseinandergesetzt und ein Buch abgeliefert, das die vielen sehenswerten Orte und Stätten beiderseits des Kanals zutreffend beschreibt und so ganz nebenbei durch die Geschichte des Kanals und seiner Vorgänger führt.  Gerade in diesem Jahr in dem alle das Jubiläum „125 Jahre Kanal“ feiern wollten ist das Buch ein zuverlässiger Führer. Selbst für den, der glaubt mit dem Kanal und den Zeugnissen seiner Geschichte vertraut zu sein, ist dieses Buch interessant. Wer kennt schon die das steinzeitliche Ganggrab von Bunsoh und den archäologisch wichtigen Schalenstein, den Erdmagnetfels – Simulator der Marine am Borgstedter See?  Dazu gibt´s noch ausgewählte Hinweise auf Restaurants die einen Besuch lohnen, aber natürlich strenggenommen oft nur kurze Zeit aussagekräftig sind, vor allen in den Zeiten des alles beeinflussenden Corvid 19 – Virus,  das zudem alle Veranstaltungen zur Kanalgeschichte so erfolgreich verhindert hat.

 

„Sturmbesonntes Land“ nennt der Mitteldeutsche Verlag doppelsinnig den Führer, der die wunderschönen Halbinsel zwischen Ribnitz – Damgarten und dem Strelasund, dem Fischland, Darß, Zingst und der Boddenküste gewidmet ist. Sehr feuilletonistisch schildert der Autor Michael Pantaenius recht amüsant „seine“ Landschaft – die allerdings ohne Landkarte für den nicht landeskundigen Leser oft ein weißer Fleck auf der Deutschlandkarte bleibt. So ist dieses Buch mehr eine sehr anregende Lektüre für zu Hause als ein echter Reiseführer, den es keinesfalls ersetzt. Allerdings ist auch dieses Buch nicht frei von gewissen Widersprüchen, so schreibt Pantaenius von einem in Bernstein konservierten Skorpion, zeigt aber das gelbliche Foto eines Gekkos oder ähnlichem Tieres, warum er ausgerechnet als Vorbild einer Walfängerkneipe den malerischen, aber als Walfängerhafen recht unbekannten Greenport nennt bleibt das Geheimnis des Autors, eben so warum er zwar Schiffe zeigt, aber kaum auf deren Details eingeht. Vielleicht wären diese Ausführungen zu faktenreich und würden nach Pantaenius´ Meinung damit den Lesefluss stören.

Ulf Kaack, Natalie Schnautz

Cuxland

Unterwegs zwischen Elb – und Wesermündung

Reiseführer,

Koehler Verlag, Hamburg 2020

136 S. viele Abb., broschiert

ISBN 978 – 3 – 7822 – 1329 – 5

Preis: 9,95

Barbara Post, Stefan Lipsky

Am Nord – Ostsee – Kanal

Touren – Begleiter zwischen Brunsbüttel und Kiel

Boyens Buchverlag, Heide 2020

160S.; 172 Abb.; kartoniert

ISBN 978 – 3 – 8042 – 1522 – 1

Preis: 12,00€

Michael Pantaenius

Sturmbesonntes Land

Fischland, Darß, Zingst und Boddenküste

Kulturreiseführer

Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2019

208 S., 13,5 x 20,5cm, broschiert, viele Abb.

ISBN 978 – 3 – 96311 – 157 –

Preis: 15,00 €

 

Text: Herbert Böhm

 

 

 

 

Johannes Holst – Maler der See – Ausstellung und Buch

 

Johannes Holst – Maler der See

Spricht man von deutscher Marinemalerei des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts so ist Johannes Holst fast ein Synonym dafür. Keiner malte das Meer und Schiffe, vor allem die großen Frachtsegler der Reederei Laeisz, so authentisch wie er. Ohne in kitschigen Fotorealismus abzugleiten gelang es ihm, auch wenn dies recht abgegriffen klingt, Wellen und Schiffe so darzustellen, dass sich der Betrachter immer wieder in neue, stimmige Details vertiefen kann – die Szene authentisch nacherlebt. Walter König, der Autor, beschreibt dies recht einprägsam, dass Holst einfach „das Meer verstanden“ habe. An die 3400 soll der 1880 geborene „Maler des Meeres“ hinterlassen haben, 1400 sind davon heute bekannt, die meisten in Privatbesitz.

Der intensiven Zusammenarbeit von Köhler -Verlag und dem „Internationalen maritimen Museum“ in Hamburgs ältestem Speicher am Rande der Speicherstadt ist es nun zu verdanken, dass 70 dort in einer faszinierenden Sonderausstellung nun noch bis zum 19. Juli gezeigt werden können. Die meisten stellten private Sammler zur Verfügung, andere kamen von namhaften norddeutschen Museen sowie aus dem Museum der Kap Hoorniers in St. Malô.

Wer wegen der „Coronaren Krise“ keine Gelegenheit hat, diese mehr als sehenswerte Ausstellung zu besuchen, dem bietet der kürzlich erschienene Band Gelegenheit sich mit dem Werk des Künstlers intensiv zu beschäftigen. Abgebildet werden auf 445 Seiten nahezu alle bekannten Werke, auch die nach dem heutigen Geschmack nicht unbedingt sehenswerten Portraits und Akte. Ein alphabetisches Werkverzeichnis (Schiffsnamen) am Ende hilft die Bilder des Künstlers rasch zu finden. Wesentlich erleichtert ein biographischer Teil, der vertiefenden Aufsätzen vorangestellt, den Zugang zum Künstler und seinen Arbeiten. Dabei wird deutlich wie sehr er in seiner maritimen Heimat – Finkenwerder und Altenwerder -verwurzelt ist und der bis zum seinem Tod 1965 treu bleibt, wie er von dort immer wieder Impulse erhält und neue Kraft schöpft. Holst war eigentlich wie viele seiner Künstlerkollegen der damaligen Zeit ein Universalgenie: Ein äußerst geschickter Modellbauer, erfolgreicher Segler und Bootsbauer, zudem ein ausgezeichneter Geigenbauer und natürlich Maler. Erstaunlicherweise scheinen aber keinerlei Plastiken o.ä. von ihm bekannt zu sein.

Allerdings ist der Autor nicht so ganz fit wenn es um maritime Begriffe geht, so dürfte ein Dreikant – Toppsegel  nur ihm bekannt sein, auch Stilblüten wie das „weltweit größte Kriegsschiff der Welt“ lassen schmunzeln auch der Lotsenschoner  wurde falsch bezeichnet; Richtig ist Lotsenschoner Nr.2 Duhnen (gestrandet 1964, Cook Islands).

Ergänzt wird der hervorragend gedruckte Bildteil durch Beiträge von Alexandra Schwarzkopf, die das Schaffen von Holst in einen kunsthistorisch – europäischen Kontext einordnet, sowie weiteren, kürzeren ergänzenden Beiträge u.a. von Klaus – Peter Mybs, dem Ur – Enkel, der ständig auf der Suche ist wenigstens einige der ca. 1500 verschwundenen Bilder wieder zu finden.

Auch wenn der großformatige Band nicht gerade als „Schnäppchen“ zu bezeichnen ist, angesichts all der Lizenzgebühren für die Abdruckrechte, die bestimmt recht exclusive Auflage, scheint der Preis durchaus gerechtfertigt zu sein.

Walter König

Johannes Holst, Maler der See

Köhler Verlag, Hamburg 2019

Querformat 29,5 x 26cm, mehr als 1400Abb., Hardcover mit Schutzumschlag;

Köhler _ Mittler Verlag, Hamburg

ISBN 978 – 3 – 7822 -1297 – 7

Preis: 148,00€

Text: Herbert Böhm –

Fotos unten: Thees Fock (2015 / Holst Ausstellung in der St. Gertrudkirche zu Altenwerder )

 

FREDDY mit offenem Heck

Der KFK FREDDY ist eigentlich kein echter KFK, weil erst nach dem Krieg gebaut. Er gehört zu einer Serie von 10 Kuttern die 1945 bis 1948 bei Burmester in Bremen Burg gebaut.

Die FREDDY diente von 1953 -1993 der BP (British Petrol) in Hamburg als Schiff für “Gästefahrten” aber hatte auch immer den Zweck im Falle einer Invasion von Osten, den Vorstand der BP heil nach England zu bringen.

Die Geschichte dieser Fluchtkutter ist in dem Spiegel Artikel schön erzählt.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29194697.html

Das besondere bei den KFK ist die Kompositbauweise – Eichenplanken auf Stahl Spanten

Aber auch das ist nicht für die Ewigkeit und hie sieht man das einige Meter Planke in Finkenwerder bei Behrens neu gemacht werden müssen

Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum

Liebe Freund’Innen,
eigentlich haben wir gerade gar keine Zeit, einen Newsletter zu
verfassen. Eigentlich war es in den letzten Jahren nämlich üblich, dass
in der Woche vor Ostern einige Eifrige nahezu Tag und Nacht im Museum waren, dort ausgemessen und gestrichen, Texte verfasst und fast dort übernachtet haben, damit die große Saisoneröffnung am Ostersonntag mit zwei bis drei neuen Ausstellungen begangen werden konnte.
In diesem Jahr ist es merkwürdig ruhig im Museum. Kein emsiges Kommen und Gehen, keine riesigen Mengen an Preiselbeermarmelade oder sauren Gurken, die sich in der Küche stapeln, keine Putzkolonne, die durchs Haus wuselt, kein Kabelsalat von den Musikern vor der großen Tür…
Wir alle wissen, woran das liegt: das Corona-Virus verbietet es, mit
mehreren Leuten zusammenzukommen.
Deshalb mussten wir leider notgedrungen unsere traditionelle Saisoneröffnung absagen.
Das ist uns allen nicht leicht gefallen, wissen wir doch, dass für viele von Euch, von unseren Fans und Freunden, der Ostersonntag im Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum ein fester Termin im Jahreskalender war. Und auch für uns ist das ungewöhnlich und seit 20 Jahren
haben wir nun an Ostern Zeit.
Dennoch arbeiten wir an neuen Ausstellungen und haben auch im Winter ein bisschen was im Museum geschafft.
Im Erdgeschoss ist eine neue Beleuchtung eingebaut worden und bis auf ein paar fehlenden Leuchtmittel sind wir damit schon ganz schön weit. Jetzt ist das 25-jährige Provisorium mit Halogenstrahlern am Seilsystem Geschichte und das Museum wird nun mit umweltfreundlichen und Energiesparenden LED-Leuchtmitteln erhellt.
Auch unsere Ausstellungen nehmen Gestalt an und wir hoffen, dass Ihr schon neugierig darauf seid.
Für unsere Kunstausstellung haben wir Holger Koppelmann aus Brunsbüttel gewinnen können, der meisterhaft Szenen aus der Küstenschifffahrt mit dem Pinsel einfängt und fast
fotorealistisch auf die Leinwand bannt.


Die „NATHALIE EHLER“ auf
dem Nord-Ostsee-Kanal
Von
Holger Koppelmann, Brunsbüttel


Auch in unserer kleinen Sonderausstellungsecke im Erdgeschoss werden wir uns mit Kunst beschäftigen und einige Werke des dänischen Malers Otto Valdemar Stoltenberg aus
Kalundborg (1906-1988) zeigen, der hunderte von Schiffsportraits mit dem Bleistift gezeichnet hat. Die gezeigten Werke stammen aus unserer eigenen Sammlung.
Die große Sonderausstellung im Obergeschoss wird sich passend zum 75. Jahrestag des Endes
des Zweiten Weltkrieges mit „Kümos in Krieg und Frieden“ befassen. Hier geht es jedoch nicht so sehr um Militärgeschichte, sondern um die Schicksale einzelner Fahrzeuge, die in die Wirren dieses Krieges hineingezogen wurden. Der Besucher lernt teilweise sehr wechselvolle
und spannende Kümo-Lebenswege kennen, unterstützt von zahlreichen Fotos.
Natürlich finden wir es schade, dass wir nicht in dem gewohnten Rahmen unsere diesjährigen Ausstellungen und die Saison eröffnen können. Glücklicherweise hatte wir schon vor Corona
überlegt in diesem Sommer ein kleines Museumsfest zu veranstalten. So soll nun dieses Fest ein wenig Ersatz für die Eröffnung werden, aber auch ganz anders. Sobald wir einen Termin nennen können, an dem unser Fest stattfinden darf und soll, werden wir Euch über diesen Weg und über die Medien einladen.
Wir hoffen, wir konnten Euch schon ein wenig neugierig machen und Ihr bleibt uns gewogen.
Einmal alle zwanzig Jahre feiern wir Ostern also zu Hause, aber wir denken an Euch.
Bitte bleibt gesund!

Tall Ships´ Races 2019 Im Kielwasser der Wikinger und der Hanse

ROUEN – SCHEVENINGEN – AALBORG – FREDRIKSTAD – BERGEN – AARHUS

Recht früh beginnt in diesem Jahr der Veranstaltungsreigen in dessen Mittelpunkt zu Beginn die großen Windjammer stehen – und später alle mögliche Galeassen, Schoner und Yachten – insgesamt liegen Ende Mai weit über 75 Meldungen vor.

Diktiert wurde das frühe Datum vom Beginn der Landung in der Normandie am 6.Juni 1944, die im historischen Gedächtnis der Frankreichs, Englands und der USA eine so wichtige Rolle spielt.

Patrick Herr, einem langjährigen Mitglied er französischen Nationalversammlung, gelange es wieder zahlreiche Windjammer und Einheiten nach Rouen zu holen  um dort dem denkwürdige Ereignis zu gedenken. Als L´ Armada de la Liberté 6. -16. Juni), eine Reihe die 1989 mit der unübertroffenen L´Armada de la Revolution begann,  wird sich auch dieses Treffen in die Reihe der spektakulären Veranstaltungen am Ufer der Seine einreihen.

Da  nur wenige Wochen später die traditionellen Tallships´Races in Aalborg beginnen, entschloss sich die federführende Organisation „Sail Training International“  den Schiffen ein Angebot zu machen: Sie  rief zu einer Art Zubringer – Regatta, dem Liberty Race, von der Seine – Mündung(Start 17.6. 2019) nach Scheveningen (20. – 23.Juni) in den Niederlanden.

Wenn Rouen auch nie eine Siedelung der Wikinger war, so wurde die Stadt doch von den harten Kriegern mehrfach geplündert, ebenso wie Siedlungen an der flämischen Küste womit wieder die Verbindung zu den Wikingern und deren Kielwasser hergestellt ist. 

Das über tausendjährige Aalborg jedoch ist tatsächlich eine Wikingergründung (vermutlich um 682) wie zahlreiche sehenswerte Spuren in der Umgebung beweisen. Eine eindrucksvolle Armada wird sich am 3. Juli dort zum dritten Mal versammeln und bis zum  6. Juli bestimmt wieder zahlreiche Besucher anlocken. Nach der eindrucksvollen Parade im Limfjord ist die norwegische Festungsstadt unweit der Glomma – Mündung das Ziel von Race 1. Eng gedrängt liegen dort die vielen Segler vor Nordeuropas besterhaltener Festungsanlage und dem Zentrum zur Restaurierung historischer Holzschiffe (Isegran).

Von dort geht es mit vielen Zwischenstopps um Südnorwegen herum, als sog. „Cruise in Company“ nach Bergen. Dieses gemeinsame Segeln, bei dem oft Besatzungsmitglieder mit anderen Schiffen getauscht werden, dient vor allem dem gegenseitigen Kennlernen und ist kein Wettbewerb. Den gibt es wieder nach den spannenden Tagen in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens und Krönungsstadt – gegründet um 1070 vom Wikingerkönig Olav Kyrre. Obwohl Bergen nie eine Hansestadt war, gehört um 1360 das dortige Hansekontor zu den wichtigsten Handelsplätzen des Mittelalters. Trotz mancher Stadtbrände repräsentiert die Tyske Bryggen bis heute nahezu unverfälscht diesen, unter dem Schutz der UNESCO stehenden,  mittelalterlichen Handelsplatz. Auch wenn Bergen wegen seiner vielen Regentage berüchtigt ist, während der Tallships´Races hatte Petrus meist ein Einsehen und schickte Sonne und Wärme. Trotzdem, die schönen Tage vom 21 -24. Juli enden und Race 2 beginnt. Ziel ist Dänemarks zweitgrößte Stadt Aalborg, berühmt nicht nur wegen ihres Aquavits sondern auch sehenswerter moderner Architektur, romantischer Altstadtwinkel  und schicker Shopping Malls.

Wenn am Sonntag , dem 4. August mit der Übergabe der Sail Training International – Trophy für Völkerverständigung die Rennserie für dieses Jahr endet, werden eine ganze Reihe von Schiffen Segel setzen um die nun 700 jährige Hansestadt Rostock anzulaufen. Dort, vielen die Chance geben während der Tagestörns ihrer Sehnsucht Romantik zu frönen oder die Decks für´s Open Ship“ freigeben (u.a. Cuauhtemoc aus Mexiko) .

Aktuelle Informationen gibt es immer unter:

www.sailtrainginternational.org

©2019 H.H.Böhm

Hamburg: LANGE Nacht der (maritimen) Museen 18.-19. Mai 2019

Auf fast 400 eng bedruckten Seiten stellt der  Hamburger Museumsdienst das Programm der langen Nacht vor. 11 Buslinien, fast alle von den Deichtorhallen ausgehend, verbinden die mehr als 50 Museen, zudem bringt der 1876 gebaute Alsterdampfer „St. Georg“ Besucher vom Jungfernstieg über die historischen Kanäle Barmbeks zum Museum der Arbeit. Die roten Barkassen der Circle Line ersparen Gästen die lange Fahrt mit Bus oder Auto zu den 50er – Schuppen aus der Zeit Kaiser Wilhelm II. Wer die faszinierende Matinee im Prototypen – Museum während des Hafengeburtstages versäumt hatte, erhält hier über das zukünftige Deutsche Hafenmuseum von der Projektleiterin Ursula Richenberger nochmals Informationen aus erster Hand.

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Bestimmt findet der Aufstieg zur Spitze eines historischen Hafenkrans ebenso viel Interesse wie der Programmpunkt „Orientierung auf der Elbe auch nachts bewahren“.  Hafensenioren berichten zudem „aus der guten alten Zeit“ und Ewerführer über das gar nicht so romantische Leben auf einer Kastenschute. Welch enorme Bedeutung die heute fast vergessenen Kräne für den Hamburger Hafen hatten, erläutert Carsten Jordan, der jetzige Leiter des Museums. Zur Musik aus aller Welt, incl. Jazz, mit der die UKW – Band unterhält gibt es in der Kaffeeklappe das, was damals auch den kräftigen Stauern schmeckte  (Hafenmuseum – Zeitkapsel: Wir bewahren das kulturelle Erbe des Hafens).

Im Auswandererzentrum Ballin Stadt, am besten mit der Buslinie 307 oder der S-Bahn zu erreichen, berichten Mitarbeiter während der Führungen u.a. über „Auswandererschicksale im Wandel der Zeiten“.

Im „Internationalen maritimen Museum“  steht diesmal die britische Navy im Mittelpunkt. Thematische Führungen  (ca. 30min),  u.a. zur britischen Marinemalerei, den Pressgangs, dem Modellbau, vermitteln an Hand der faszinierenden Ausstellungstücke einen tiefen Einblick in den harten Alltag der Mannschaften im 18. und 19. Jahrhundert. Klar, dass bei dieser Thematik extra gebraute Ales und Stouts im Anschluss für die richtige Stimmung sorgen.

Zum größten  noch fahrenden Museumsschiff der Welt, der Cap San Diego sind es nur wenige Busminuten. Dort wartet ein Hochseilgarten, der bis 30m in die Höhe führt auf wagemutige Kletterer. Selbstverständlich steht den Besuchern  das ganze Schiff zur Verfügung, erklärt von den „Ehrenamtlichen“ oft ehemaligen Seeleuten.

Zur nächsten Station, dem „Museumsschiff Rickmer Rickmers“, sind es nun nur noch Gehminuten. Dort unterhält Dieter Schmid mit maritimen Liedern und seinem Akkordeon, Bernd Duckstein will mit altersgerechten Spielen Kinder für das Museumsprojekt begeistern. Dem Vorsitzenden des Betreibervereins bleibt es vorbehalten umfassend über die Geschichte des Dreimasters und seiner Crew zu referieren.

Sowohl das Altonaer Museum als auch das Hamburg Museum (frühert: Museum für Hamburgische Geschichte) verfügen über große maritime Abteilungen. Ersteres informiert an diesem Abend u.a. über das moderne Piratenunwesen, die immer noch Hamburgs Reeder bedrohen. Im Altonaer Museum geht es u.a. um das Bewahren von Ausstellungsstücken im Museum und wertvollen Souvenirs in den Wohnungen der Besucher.

Auch das frühere Museum für Völkerkunde, heute MARKK, beherbergt umfangreiche Sammlungen zur Seefahrt der Völker in Afrika, Asien und im Pazifik, die aber diesmal nicht im Mittelpunkt des Veranstaltungsprogramms stehen.

Da die Eintrittskarten auch noch am Sonntag gültig sind, kann man 17€ für Erwachsene (14€ ermäßigt bis18J.) und 4€ für 13 – 14 Jährige akzeptieren – auch wenn hier wieder zu kritisieren ist, dass viele Hamburger Rentner, Studenten und Hartz IV – Empfänger unangemessen benachteiligt werden!

Etwas verständlicher wird diese Entscheidung wenn man weiß, dass ein kleines 5 Personenteam all  diese viele hundert Programmpunkte koordinierte und vollständig von der Finanzierung durch Sponsoren abhängt. Wie gering Hamburgs Kulturbehörde diese Veranstaltung schätzt  wurde bei der Pressekoferenz deutlich an der kein Mitarbeiter der Kulturbehörde teilnahm – trotz der ca.
30 000 erwarteten Besucher!

Text: Herbert H. Böhm

Taschenbuch: Lange Nacht der Museen Hamburg, 353 S.

www.langenachtdermuseen-hamburg.de

Konsul Klöbens 39. Einladung – 16.12.2018


Der Segler geht ins Lager,
wenn er nicht segeln muß.
Nur noch die Gaffelsegler
Treibt es noch auf den Fluß.
Alljährlich zum Advente,
Und manchmal auch bei Eis,
Bevor das Jahr sich wende,
Dann geht´s um KLÖBENS Preis.
Die Segel aufgezogen,
Pullover aus dem Spind,
Das Oelzeug angezogen
Und dann zum Start geschwind.
Doch haben wir erledigt,
Die Fahrt mit frischem Mut,
Dann trinken wir auch kräftig,
Und das bekommt und gut!

Aller Bilder – Herbert H. Böhm, Hamburg

Mittsommernacht im Wattenmeer

Alarm im Gezeitenkalender! Auf Seite 26 im „Kleinen Blauen“ steht es schwarz auf weiß, die erste Hälfte des Segelsommers ist bald abgearbeitet. Halbzeit! Der 21. Juni kündigt es an: Sommersonnenwende!

Es war schon slawisches Brauchtum, diesen Sommertag, an dem die Sonne ihre Rückreise in den Winter antritt, gebührend zu feiern. Für die Skandinavier ist er heute noch ein Tag des Genießens. Für „t‘ Poffertje“ und Crew soll es auch ein besonderer Tag werden. So möchten wir seit einigen Jahren die Mittsommernacht im Watt verbringen, trockenfallen und die kürzeste Nacht des Jahres unter freiem Himmel genießen. Leider hat es aufgrund des Wetters bisher nie klappen sollen, denn jedes Jahr wieder: Wind NW 5-6, Schauerboen – wirklich kein Wetter um ein Event daraus zu machen.

Am Morgen des 21. Juni 2016 ist unser Tag gekommen. Der Deutsche Wetterdienst sagt für heute südwestliche Winde um 3 voraus, die abends auch noch abflauen sollen. Als Würze gibt es sogar Sonnenschein hinzu. Kleines Handycap: Deutschland spielt heute in der Vorrunde der Fußball Europameisterschaft gegen Nordirland. Aber dank moderner Technik könnten auch wir heute an diesem Match teilnehmen.

Schon früh morgens fahren wir zum Schiffsausrüster nach Meldorf und transportieren unsere erworbenen Kostbarkeiten weiter zum Hafen, wo unser Plattboden „t‘ Poffertje“ schon freudig an den Leinen ruckelt. Sämtlicher Proviant wird verstaut, noch ein paar Mal hoch und runter zum Auto bzw. zur Bootshalle gelaufen, bis schließlich alles an Bord ist, was auf so einer Reise gebraucht wird. „t‘ Poffertje“ und Crew sind klar zum Auslaufen! Aber wohin? Zum Tertius, auf die Sommerbank oder ins Muschelloch, Russenloch oder Sandloch? Ich entsinne mich an eine Wattwanderung von Friedrichskoog zum Bielshövensand mit dem Wattführer Jan Franzen, die quer über das Wattfahrwasser Hoogen verlief. Dieses Fahrwasser erlebt man eigentlich nur zur Hochwasserzeit um übers Watt in oder aus  der Meldorfer Bucht zu gelangen. Zur Niedrigwasserwasserzeit ist diese Gegend nicht so von Booten frequentiert. Deshalb wird der Hoogen heute unser Ziel sein. Festes und trockenes Sandwatt habe ich noch in guter Erinnerung. Leinen los! Yorke schmeißt die Vorleine los, Jerck bedient den Maschinentelegraph – halbe Kraft zurück.  Gegen 1300 Uhr schiebt sich unser Boot gegen die Tide durchs Sperrwerk, Pegel 6,70 m steigend. Jerck pustet das Achtungssignal durchs Horn – er hat Hunger. Also: Backen und Banken! Ich steuere das Kronenloch weiter seewärts, Maschinenfahrt.

Bei Tonne 40 verlassen wir das Fahrwasser, Kurs West, quer über das Watt. Die Wassertiefe nimmt kontinuierlich ab. Mit steigender „Bodenfreiheit“ nehmen wir dann die Mittelplate und ab 4,00 m unter uns Friedrichskoog Spitze voraus. Einen Augenblick später kommt die Tonne SL 9 und die 3 er Pricke zum Muschelloch in Sicht.

Während eines Besuches des Muschellochs bei Niedrigwasser erlebten wir in der letzten Woche wieder einmal, was Vergänglichkeit ist. Die einst so große Muschelbank verliert immer mehr an Fläche! Jede Flut trägt Sedimente heran, die die im Sonnenschein so herrlich leuchtenden Muscheln immer mehr bedecken, Jahr für Jahr. Ältere Photos zeigen unser Boot dort auf Muscheln trockengefallen, wo heute nur noch Schlick zu sehen ist.

An der Ansteuerungspricke läuft noch Flut. Wir werden also zum Höchstwasserstand ankommen. Das Echolot „singt“ noch die Tiefe des Muschellochs aus. Dann, 1,60 m, 1,50 m, 1,40 m! Das Wattenhoch Hoogen ist erreicht. Büsum Hochhaus peilt N und die Bohrinsel WSW! Ein Blick in die Seekarte bestätigt es. Jetzt wird „t‘ Poffertje“ nur noch Richtung Bielshövensand aus dem Wattfahrwasser zum Ankerplatz gebracht, 60 cm Sicherheit gönnen wir uns. Ausloten, Bodenprobe und – fallen Anker. Yorke am Ankerspill, Jerck wieder am Maschinentelegraphen und an den Ankerball denkend. Sonne satt und einschlafender Wind, ein feiner Platz für die Mittsommernacht. Pegel Büsum 6,83 m.

Es ist noch ein wenig Zeit, bis zum Trockenfallen. Die Kinder bereiten derweil eine lustige Flaschenpost vor, mit der sie dem Finder einen netten Gruß aus dem 8. Weltmeer senden wollen. Ein Flaschenpostbote kommt heute leider nicht mehr vorbei also wird die Post dem abebbenden Seewasser mitgegeben. Tschüß und gute Reise!

Dann ist es soweit, unser schwimmendes Zuhause setzt auf und bewegt sich nicht mehr. Die Lütten sind nicht mehr zu halten, es ist warm und sie wollen ins Wasser! Schon fliegt die Knüppelleiter über die Kante und die Füße werden ins Nass getaucht. Das Wasser ist heute besonders klar und am Grund nahe der Pricken sind Unmengen von Herzmuscheln zu sehen. Sie werden uns in Kürze ein besonderes Naturschauspiel zeigen. Mit dem Freiwerden der Wattflächen graben sich die Herzmuscheln in den Schlick ein und schießen das letzte Wasser aus ihrem Körper ca. 30 cm hoch in die Luft. Bei dieser Herzmuscheldichte glänzen diese unzähligen Wasserfontänen im Sonnenlicht und könnten in dieser Formation an den Salzburger Wasserspielen teilnehmen. Yorke und Jerck sammeln einige Muscheln und legen eine Strecke zum Herzmuschelrennen aus. Welche sich wohl als letztes eingegraben haben wird? Das Wettbüro ist eröffnet.   

19:30 Uhr, Abendbrotzeit! Es gibt Spaghetti Bolognese, mhh, lecker. Während des Essens kommt die Frage auf, ob Herzmuscheln ess- und genießbar sind. Also folgt der Mahlzeit die Muschelkunde in der Bordliteratur. Mit der Antwort essbar aber nicht sonderlich geschmackvoll geht es noch einmal auf Abendspaziergang ins Watt, Richtung Büsum, immer höher hinauf auf den trockenen und festen Bielshövensand. Wie eine Trophäe liegt unser Boot jetzt in der Ferne auf der Ebene. Zurück an Bord gibt es noch eine Gutenachtgeschichte von einem Wrack im Wattenmeer. Dieses Wrack war einst ein stolzes Segelschiff und hatte Klaviere geladen. Während eines Sturms strandete es zwischen den vorgelagerten Außensänden und musste aufgegeben werden. Im Laufe der Zeit hat der Sand sich das Schiffswrack geholt und unter sich begraben. Eine Wracktonne kennzeichnet heute noch die Untergangsstelle. Der Sage nach kann man nachts, bei ruhiger See, in der Nähe des Unglücksortes Klaviere spielen hören. Schon bald ist Ruhe im Schiff!

Sonnenuntergang ist heute um 22:00 Uhr. Fix wird noch eine Erdbeerbowle als Sundowner angesetzt. Frische Erdbeeren schnibbeln, kalter Sekt drüber und ab in die Plicht. Im Westen kommt Bewölkung auf, es zeigt sich ein chaotischer Abendhimmel. Wir genießen die Ruhe im Watt und freuen uns über den im Südosten aufgehenden Vollmond. Nach kurzem Schmökern in Jörgen Brackers Roman „Hinter der Nebelwand“ folgt dann auch für den Rest der Crew die Nachtruhe. Bald kommt das Wasser zurück.

Gegen Morgen werde ich von einem leichten Prasseln an Deck sanft aus dem Schlaf getrommelt. Es regnet! Sandra ist schon auf und schließt die Bulleyes und das Schiebeluk. Ich merke noch, wie unser Boot leicht auf den Grund stuckert und sich einen feinen Platz zum erneuten Trockenfallen sucht. Dann bin ich wieder eingeschlafen. Wir haben jetzt wieder Zeit –  welch ein kostbares Gut!

Zum Frühstück sind dann alle wach.  Draußen ist es noch grau, kühl und klamm. Wir schließen die Tür, drehen die Bootsheizung an und genießen zusammen eine köstliche und ausgiebige Mahlzeit unter Deck. Die Kinder möchten eine Runde „Schiffe versenken“ spielen – finde ich gar nicht witzig! Über der Weite des Bielshövensandes arbeitet sich die Sonne mittlerweile durch die Wolken durch und lässt die Lufttemperatur deutlich wärmer werden. In der Ferne ankert das Seezeichenschiff „Wulf Isebrand“. Ihre Besatzung prickt heute das Neufahrwasser neu aus, bis hinauf zum Sperrwerk Friedrichskoog!  

An Bord kommt Unruhe auf, die Sonne scheint und es ist kein Halten mehr. Wir machen uns klar zum Wattgang. In der Senke des Prickenweges laufen wir nach Osten zum Muschelloch, der Flut entgegen. Wir sehen, wie die erste Flutwelle ins Muschelloch drückt und sich immer weiter den Hoogen hinaufschiebt. Wir laufen mit ihr in Richtung Boot zurück. Yorke lässt ihr Spielboot mit der Flut fahren und Jerck versucht mit Staudämmen und Durchbrüchen das steigende Wasser zu regulieren. Etwa bei halber Tide trifft „unsere“ Flut auf den Flutstrom, der sich vom Altfelder Priel hinaufschiebt und schließt die Wasserfläche im Scheitel des Wattenhochs „Hoogen“. Pegel Büsum 5,10 m. Noch ein kleines Bad im frischen Wasser und dann geht’s auch schon wieder an Bord. Unser Holländer schwimmt auf. Noch ein kleiner Snack und dann heißt es: „Anker hieven!“ Während Jerck die Ankerwinde bedient, steht Yorke mit dem Deckswaschschlauch klar zum Spülen der Ankerkette. Doch die Kette kommt schon sauber aus dem Wasser und verschwindet im Kettenkasten.

Das azurblaue Himmelsbild wird mittlerweile von keiner Wolke mehr gestört, es ist warm und der Wind weht mit 2 bis 3 bft aus West. Beste Bedingungen für „Sailtraining“! Also Segel setzen! Es ist Arbeitsteilung angesagt, einer an das Klaufall und einer an das Piekfall. Dann die Gaffel immer schön waagerecht vorheißen, bis das Klaufall tight kommt. Erst danach das Piekfall weiter holen, bis es durchgesetzt ist. Jetzt noch die Fock und den Klüver. So segeln wir unter Vollzeug gegen die Tide nach Osten. Während Mama und Papa das ruhige Dahingleiten unter Segeln sehr genießen, kommt bei Jerck erstaunlich früh Langeweile auf. Er bemerkt, dass es wohl besser wäre, den Motor wieder zu starten. Zusätzlich wünscht er sich einen Düsenantrieb herbei. Im Steertloch können wir die Höhe des Fahrwassers nicht und segeln quer übers Watt in Richtung Tonne SP 34. Hier läuft schon Ebbe, die wir mit ein paar Schlägen nutzen, um nach Büsum zu kommen. Im Vorhafen machen wir wieder ein All-hands Manöver und bergen die Segel. Im Museumshafen festgemacht, genießen wir Urlaubsstimmung am Büsumer Hauptstrand.

Am folgenden Tag runden ein Besuch des Piratenbades und der Familienlagune den Büsumbesuch ab, bevor es mit der nächsten Mittagstide, unter Segeln wieder zurück nach Meldorf geht.

Text undFotos Michael Wieben